Gräberfeld Ost von Ovilava/Wels

Interdisziplinäre Forschungen

Do, 15. Mai 2025, 18.30

Vortrag im Stadtmuseum Wels Minoriten

A.o. Univ.-Prof. MMag. Dr. Sylvia Kirchengast PhD und
Dr. Dominik Hagmann BA MA
(beide Universität Wien)

Mit einer Einführung zum römischen Wels von Mag. Michaela Greisinger und MMag. Magdalena Waser (beide Stadtmuseum Wels)

Die römische Stadt Ovilava (heute Wels in Oberösterreich) repräsentierte aufgrund ihrer günstigen Lage an der Kreuzung zweier bedeutender Fernstraßen eines der wichtigsten Handels- Kultur- und Verwaltungszentren der Provinz Noricum. Gegründet im 1.Jht. n.Chr. blieb Ovilava bis zu ihrem Untergang Ende des 5. Jhts eine Zivilstadt, deren Bevölkerung in den Nekropolen vor den Stadttoren, meist entlang der Fernstraße von Lauriacum nach Iuvavum bestattet wurden. Heute liegen die meisten Bereiche dieser Bestattungsareale in der dicht bebauten Stadt Wels und sind daher einer systematischen Freilegung nicht zugänglich.

Ovilava/Wels (ca. 200 n.Chr.) und Gräber­feld Ost. Grafik: D. Hamann, data: Stadt Wels; basemap.at; OpenStreetMap; Natural Earth.

Im Rahmen von Rettungsgrabungen konnten zwischen 2004 und 2010 insgesamt 135 Körpergräber und 292 Brandgräber im Gräberfeld Ost freigelegt werden. Bis dato wurden 153 Individuen unter Einschluss von Methoden der digitalen Archäologie und Bioarchäologie untersucht. Radiokarbondatierungen weisen auf eine Nutzung des Bestattungsareals zwischen etwa 50 und 750 n. Chr. hin. Räumliche Analysen identifizierten verschiedene Clusterbereiche des Gräberfeldes, und eine spatio-temporale Auswertung belegt sowohl chronologische als auch demographische Unterschiede zwischen den Bereichen. Besonders auffällig ist aber die deutliche Unterrepräsentanz weiblicher Individuen im Gräberfeld. Obwohl für eine Zivilstadt ein eher ausgeglichenes Geschlechterverhältnis zu erwarten wäre, stellen Frauen im Gräberfeld von Ovilava eine Minderheit dar. Dies wirft Fragen nach dem Verbleib der Frauen von Ovilava auf, die im Rahmen des Vortrags in verschiedenen Erklärungsansätzen kritisch diskutiert werden.


Bevorstehende Veranstaltungen:

Faventina und Ursinus

Do, 15. Oktober ’26, 18.30

Vortrag im Kultos Ostermiething

Stefan Traxler (OÖLKG)

Beim Ab­bruch eines Hau­ses in Oster­miething wurde eine rö­mi­sche Stein­kis­te mit In­schrift ent­deckt. Sie er­in­nert an einen Guts­ver­wal­ter, des­sen Urne mit Sicher­heit von einem na­he­ge­le­ge­nen rö­mi­schen Gut­shof stammt, auf dem er und seine Frau ge­ar­bei­tet ha­ben.

Die Baracken der 1. Kohorte

Do, 26. November ’26, 18.30

Vortrag im Museum Lauriacum, Enns

Fabian Auer (Uni Innsbruck), mit Beitrag von Laurin Holzleitner (Museum Lauriacum)

Die Ausgrabung 2017 in Enns unter­suchte die Ba­ra­cken der Ersten Ko­horte. Sie klärte Bau­phasen und Um­bau­ten von 171/180 bis ins 4. Jh. n. Chr., be­son­ders die Um­ge­stal­tung zu Kor­ridor­ka­ser­nen im späten 3. Jh..